Zur Geschichte von POEMA

Im Jahre 1992 wurde POEMA als interdisziplinäres Forschungs- und Handlungsprogramm - angegliedert an die Bundesuniversität von Para in Belem ins Leben gerufen. Forst und Agrarwissenschaftler, Gesundheitsexperten, Wasserspezialisten, Soziologen und Vertreter anderer Fachgebiete machten dabei mit - unter der Leitung von Thomas Mitschein, dem Soziologie-Professor aus Deutschland. Dieser Schritt war die konsequente Weiterentwicklung von bereits bestehenden Modellen gegen die Zerstörung der Regenwälder durch die Verbesserung der Lebensumstände der Menschen in Amazonien.

Ohne die systematische Reduzierung der Armut wird sich die Umweltsituation nicht verbessern können. Dazu gibt es keine Alternative. Denn Amazonien ist kein Naturpark, wie es vielfach in Europa oder den USA geäußert wird. Hier leben Millionen von Kleinbauern und Indianern, denen ein menschenwürdiges Leben ermöglicht werden muß. Erst dann wird der Druck auf die Wälder nachlassen.

Die Zustände in den Favelas rund um Belem brannten sich in den Köpfen der Wissenschaftler ein und heraus kam die Idee: Wenn es gelänge, die Wanderfeldbauern in den ländlichen Amazonasregionen dauerhaft sesshaft zu machen, würde der soziale Druck auf die Städte weichen. Voraussetzung dafür wäre ein Nutzungskonzept für eine Landwirtschaft im Regenwald, die die Menschen für ein Leben mit und nicht gegen den Wald einnähme.

Die Arbeit von POEMA in Belem wurde unterstützt von brasilianischen Institutionen, von der Unicef und von DaimlerChrysler. Daß DaimlerChrysler das POEMA-Projekt unterstützte ist u.a. Verdienst von Willi Hoss, der als ehemaliger Betriebsrat des Konzerns und grüner Bundestagsabgeordneter die notwendigen Kontakte und Einflußmöglichkeiten hatte. Außerdem ging es dem Konzern um den Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen in Fahrzeugen und um die Erforschung der Kokosfaser im Hinblick auf die industrielle Nutzung.
So entstand in Praia-Grande auf Marajo eine kleine Fabrik, in der schon sehr bald Kopfstützen hergestellt wurden. Anfang 2000 wurde dann die größere Fabrik - POEMAtec - gegründet, in der Sitze und Rückenlehnen produziert werden. Die Verarbeitung der Kokosfasern wurde zum bekanntesten Beispiel der Vermarktung von Regenwaldfrüchten zu ökologisch sinnvollen Produkten bei gleichzeitigen Verdienstmöglichkeiten für die Landbevölkerung. Die Kernaufgabe von POEMA Belem war und ist die Beratung, Schulung und Unterstützung bei der Produktion und Vermarktung von Früchten des Waldes und die Mithilfe bei der Anreicherung des Sekundärwaldes und zerstörter Flächen durch Nutzpflanzen (Wiederaufforstung), damit einerseits Biomasse entsteht und andererseits die Ernährungsbasis sich verbreitert.

POEMA e.V. Stuttgart wurde 1994 von Willi Hoss gegründet, als Partner von POEMA Brasil. Hauptaufgabe von POEMA Stuttgart ist die Unterstützung beim Bau von Pumpen/Wassersystemen, um an sauberes Grundwasser zu kommen, Hilfe in Energiefragen durch Solarlampen und dem Bau von Solaranlagen, sowie konkrete Schritte zur Gesundheits-vorsorge in den Dörfern und Reservaten Amazoniens.

2003 ist Willi Hoss gestorben. Sein Werk lebt in den Herzen der Menschen in vielen Dörfern Amazoniens weiter. Froh und glücklich sind die Menschen aber auch, daß die Arbeit von POEMA weitergeht, daß Andere weitermachen mit dieser so notwendigen Arbeit. Gerd Rathgeb, ein langjähriger Freund und Wegbegleiter von Willi Hoss ist jetzt Vorsitzender des Vereins und Johann Graf (Personalrat Uni-Kliniken Tübingen) sein Stellvertreter. Viele Impulse für die Arbeit in Amazonien kamen und kommen von Helmut Aulenbach, Lehrer an der Jörg Ratgeb Schule in Stuttgart.

Nach wie vor lebt die Arbeit durch die vielen Mitmacher/Innen in Schulen, Krankenhäusern, Gemeinden, Naturfreundegruppen, Betrieben und Eine Welt Läden, die Aktionen machen und Partnerschaften mit konkreten Gemeinden Amazoniens eingehen.